Advanced Montessori Course London 1957/58

Advanced Montessori Course London 1957/58

Der Londoner Kurs Die Inhalte Rezension

 

Montessori-Pädagogik im Schulalter
Der historische Advanced Montessori Course in London 1957/58
geleitet von Mario Montessori
in der Mitschrift von Brigitte Ockel
bislang auf CD-ROM – jetzt online

 

London 1957/58: Mario Montessori, der maßgeblich an der Ausarbeitung und Umsetzung der pädagogischen Überlegungen seiner Mutter Maria Montessori beteiligt war, leitete einen speziellen Kurs zur Pädagogik des Schulalters.

Die Teilehmer des Londoner Kurses 1957/58. In der ersten Reihe sitzen von links: Miss Dwyer, die den Kurs organisiert hat, Frau Joosten, Ada und Mario Montessori. Brigitte Ockel steht in der hinteren Reihe an 9. Stelle von links (Bildmitte), Marcilia Palloci an 7. und Frau Malik an 11. Stelle.

 

Es war der erste Kurs in Europa mit dem Schwerpunkt auf der Altersstufe von sechs bis zwölf Jahren. Das Konzept für den Kurs basierte auf Überlegungen Maria Montessoris zur „Stellung des Menschen im Kosmos“, das sie vor allem in ihrer Zeit in Indien (1939 bis 1949) zusammen mit ihrem Sohn unter dem Stichwort „Kosmische Erziehung“ ausgearbeitet hatte.

Diese späteren Vorstellungen Montessoris wurden in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst nur zurückhaltend rezipiert, u. a. deshalb, weil hier inzwischen eigene Konzepte der Montessoripädagogik für Kinder von drei bis acht Jahren auf der Grundlage von Montessoris früheren Grundideen ausgearbeitet wurden. Der Londoner Kurs ist deshalb von besonderem historischem Interesse, wenn es darum geht, die weltweiten Entwicklungslinien der Montessoripädagogik nachzuvollziehen. Die AMI (Association Montessori Internationale) bezeichnet den Londoner Kurs heute als „Protokurs für das Alter von sechs bis zwölf“ und richtet ihre Kursstruktur – anders als die nationalen Montessori-Vereinigungen in Deutschland und Österreich – danach aus.

Mario Montessori konzipierte den Kurs in London für drei Abende in der Woche auf die Dauer von drei Semestern (Oktober 1957 bis Juli 1958) mit Vorträgen und Materialeinführungen:
1. Semester: Psychologie, Das Werden der Erde, Mathematik
2. Semester: Sprache und Geographie
3. Semester: Geschichte, Biologie und Musik (wobei die Musik nicht mehr zum Zuge kam).

Die Unterrichtssprache war Englisch. Unterstützt wurde Montessori von drei KollegInnen. An den Vor- und Nachmittagen hatten die Kursteilnehmer die Möglichkeit zu hospitieren, ihre Mitschriebe auszuarbeiten und Bilder und Strukturskizzen von Materialien anzufertigen.

Als eine von zwei deutschen Teilnehmerinnen besuchte Brigitte Ockel den Kurs. Sie unterbrach zu diesem Zweck ihr Lehrerstudium und übernahm die Aufgabe während der Kurs-veranstaltungen besonders sorgfältig mitzuschreiben. Aus diesen ca. 900 Skriptseiten stellte sie drei Ordner mit Vorlesungsprotokollen und Skizzen zusammen. Den überwiegenden Teil verfasste sie auf Deutsch.

Brigitte Ockel bei der Abreise aus London am 17. Juli 1958.
Ihr Gepäck: Tasche (mit den drei Ordnern), Reiseschreibmaschine und Cornflakes!

 

Die Bedeutung des Londoner Kurses für die deutschsprachige Montessori-Bewegung liegt vor allem in der Auseinandersetzung mit dem „Arbeitsniveau“ der Montessoriarbeit in der Grundschule und Sekundarstufe 1 und in der Auseinandersetzung mit dem den Begriff der „Kosmischen Erziehung“ als umfassendes pädagogisches Konzept für Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren.

Es fällt auf, dass die Inhalte und Kursthemen, die der Londoner Kurs aufspannt, deutlich über das Niveau hinausgehen, was in vielen deutschsprachigen Montessori-Grundschulen üblicherweise „gelehrt“ wird. In den nationalen Diplomkursen werden umgekehrt oft Sprach- und Mathematikmaterialien, die für die Arbeit im Kinderhaus gedacht waren, dem Schulalter zugeordnet.

Der Begriff „Kosmische Erziehung“ bezeichnet in der Sichtweise des Londoner Kurses nicht einen Teilbereich von bestimmtem Montessori-Material, sondern das grundlegende Bildungskonzept, das in einfacher Weise in alle Bereiche unserer natürlichen und kulturellen Umgebung einführt und insbesondere die vielfältigen Zusammenhänge zwischen diesen Bereichen deutlich macht. Kinder im Grundschulalter sollen sich als Teil eines gut aufeinander abgestimmten Ganzen erleben und dadurch auf indirektem Wege zu einer staunenden, achtungs- und verantwortungsvollen Haltung ihrer Mit- und Umwelt gegenüber finden können.


Die Kurs-Unterlagen von Brigitte Ockel wurden erstmals 2005 in Form einer CD-ROM veröffentlicht. Prof. Dr. Harald Ludwig, Münster, hat bei der AMI die Zustimmung zur Veröffentlichung erwirkt. Weil eine Print-Ausgabe der Originale von Brigitte Ockel aus technischen und finanziellen Gründen nicht möglich war, wurde hier die Form des E-Books gewählt.

Sämtliche Seiten des Kurs-Skriptes, einschließlich aller Skizzen, wurden hoch aufgelöst gescannt und zu Dateien im PDF-Format aufbereitet. So können die „Originalseiten“ am Bildschirm gelesen oder nach Belieben ausgedruckt werden. Detaillierte Gliederungen in Form von „Lesezeichen“ als Bestandteil der PDF-Dateien verhelfen zur Orientierung und lassen gesuchte Stellen mit wenigen Mausklicks finden.

Herausgeber sind Thomas Helmle und Petra Wöbcke-Helmle (beide Dozenten der Montessori-Vereinigung Deutschland). Sie ergänzten die Dokumentation durch eine Einleitung mit Überlegungen zur historischen Bedeutung des Londoner Kurses und zu dessen Stellenwert in der aktuellen Montessori-Diskussion im deutschsprachigen Raum. Außerdem erstellten sie ein umfassendes Inhaltsverzeichnis, von dem aus man durch Links direkt zu den entsprechenden Seiten gelangen kann.

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